Urbanes Flair an der City-Kreuzung

Als Stadtführer im Auftrag von Region Olten Tourismus beschäftigt sich Emile Stricker mit den architektonischen Zeugnissen der Oltner Boomjahre. Eine zentrale Rolle spielt dabei natürlich das Haus Frey!

 

Durch die Sanierung seiner Fassade rückt das Haus Frey wieder näher an die ursprüngliche Optik heran. Wir hatten im Gespräch mit Emile Stricker Gelegenheit, auf die spannende Zeit zurückzublicken, als das Gebäude errichtet wurde.

 

Herr Stricker, was erzählen Sie Besucherinnen und Besuchern von Olten, wenn Sie im Rahmen einer Tour am Haus Frey angelangen?

Die City-Kreuzung bildet einen der wichtigsten Knotenpunkte in der Stadt Olten. Früher verlief hier sogar die Durchgangsstrasse für den gesamten Nord-Süd-Verkehr, von Holland bis Italien. Diese zentrale Lage ist auch der Grund dafür, dass wir an jeder Ecke dieser Kreuzung ein ausgesprochen markantes Gebäude finden. Unter diesen verkörpert das Haus Frey perfekt die neue Architektur der Nachkriegszeit. Es wurde ganz bewusst an dieser Kreuzung als prägnantes Element der Stadtgestaltung errichtet. Das Haus Frey war das erste Gebäude in Olten, das in der sogenannten Element-Bauweise erstellt wurde, also mit vorfabrizierten Teilen. Es gilt in der Schweiz als eine der wegweisenden Stahlkonstruktionen ihrer Zeit.

Durchdachte und punktgenaue Architektur

Inwiefern sehen Sie das Haus Frey als Teil der Stadtgestaltung?

Wenn ein guter Architekt seine Aufgabe verantwortungsbewusst erfüllen möchte, dann entwirft er ein Gebäude in Einklang mit seinem Standort. Beim Haus Frey ist das die City-Kreuzung als Verbindung einer wichtigen Verkehrsader mit der Innenstadt. Im Grunde besteht das Haus Frey aus zwei Elementen. Beinahe wirkt es so, als würden zwei Boxen ineinander geschoben. Man erkennt klar den Langbau als Öffnung hin zur Stadt, wodurch ein urbanes Flair entsteht. Die Schaufenster im Erdgeschoss sind oben durch ein gewölbtes Band abgeschlossen, wodurch der Charakter des Gebäudes zusätzlich geprägt wird.

Können Sie uns noch ein wenig zu den Architekten hinter dem Haus Frey verraten?

Das Gebäude wurde von Walter Belart und Hermann Frey entworfen. Letzterer hat als Teil des Architekturbüros Frey und Schindler einige weitere nennenswerte Projekte in Olten umgesetzt, unter anderem das Strandbad, das Schulhaus Frohheim und den Hauptsitz des Schweizerischen Samariterbundes.

Ein Symbol des Wachstums

Das Haus Frey verdient jedoch nicht nur aufgrund seiner Architektur Beachtung, richtig?

Olten erlebte ein enormes Wachstum in der Zeit von 1856, als der Zentralbahnhof in Olten eingerichtet wurde, bis etwa 1965, als die Wirtschaft unter anderem durch die Ölkrise wieder ein wenig eingebremst wurde. Während dieser Boomjahre hat auch die Bevölkerungszahl in Olten stark zugelegt. Der Prestige-Bau des damals in Wangen ansässigen Unternehmens Kleider Frey ist ein Ausdruck des beinahe grenzenlosen Zukunftsglaubens der Zeit direkt nach Ende des 2. Weltkriegs.

Was erwarten Sie von der gerade stattfindenden Sanierung?

Das Haus war das Wahrzeichen des Modegeschäfts Kleider Frey. Als Hersteller von Herrenkleidung erfreute sich das Unternehmen in der gesamten Schweiz grosser Bekanntheit und verfügte über Filialen in verschiedenen Städten. Das Gebäude an der City-Kreuzung in Olten fungierte als Zentrale mit repräsentativem Charakter. Freuen wir uns also darauf, dass durch die Sanierung diese Strahlkraft wiederhergestellt wird.

Herr Stricker, wir danken Ihnen für das interessante Gespräch!

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